Homepage von Jan von Bröckel

August 2022:

Saisonbedingter Anstieg der Arbeitslosigkeit -  Überproportional viele Langzeitarbeits­lose

Arbeitslosenzahlen Bremerhaven

Im niedersächsischen Umland deutlich niedrigere Zahlen

Näheres:

Verteilung Arbeitslose SGB II/SGB III

Durchschnittswerte 2013 bis
2021


Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt

Sie finden auf dieser Seite Informationen zu den aktuellen Arbeitslosenzahlen in Bremerhaven, einer Stadt mit einer der höchsten Arbeitslosenquoten in Deutschland.


Quote
Bremer-
haven
in absoluten Zahlen Quote
Land Bremen
Quote Bund
Aug2022
14,0%
8.403
10,7%
5,6%
Jul2022 13,7% 8.222 10,3% 5,4%
Aug2021 13,2% 7.954 10,7% 5,6%

Seit mehr als zwei Jahren beeinflusst das Corona-Virus massiv das öffentliche Leben und hatte zunächst auch nicht unerhebliche Auswir­kungen auf den Arbeitsmarkt. Aber in den ersten Monaten des Jahres 2022 näherte sich die Quote wieder den Werten vor Beginn der Pandemie. Seit Juni 2022 gehen die Zahlen aber wieder nach oben  und liegen im August 2022 über den Zahlen des entsprechenden Vorjahresmonats. Ausschlaggebend hierfür dürfte die Einbeziehung ukrainischer Flüchtlinge in die Statistik sein. Seit Juni 2022 können vor der russischen Aggression Geflüchtete genauso Arbeitslosengeld II beziehen wie Deutsche, werden dann aber auch als „arbeitslos“ eingestuft. Ob der Krieg in der Ukraine mit gravierenden Einflüssen auf die Preisent­wicklung und Fragen über eine verläss­liche und erschwingliche Energie­ver­sorgung auch Auswirkungen auf den lokalen Arbeitsmarkt haben wird, ist derzeit noch unklar.

Die derzeitige Quote von 14,0% in Bremerhaven liegt 0,8 Prozentpunkte über der des Augusts 2021, aber 0,9 Prozent­punkte unter der vom August 2020. Gegenüber dem letzten August der Vor-Corona-Zeit (2019) ist sie jetzt um 1,7 Prozentpunkte höher.

Im Ferienmonat August ist ein Anstieg der Arbeitslosigkeit nichts Ungewöhnliches. Das Angebot an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen ist geringer, außerdem haben sich vermehrt junge Personen nach dem Ende von Schul- oder Berufsausbildung arbeitslos gemeldet. Hingegen habe die Einbeziehung von Personen aus der Ukraine nicht mehr eine deutlich steigernde Wirkung wie noch im Juni, so die Arbeitsagentur Bremen-Bremerhaven. Im Vergleich zum Vormonat Juli 2022 stieg in Bremerhaven die Anzahl von Arbeitslosen aus der Ukraine um vier Personen auf 750, wovon 540 Frauen waren (= 72%). Im Vorjahresvergleich hat sich aber die Einbeziehung ukrainischer Arbeitsloser in den Gruppen „Ausländer“ und „Frauen“ deutlich bemerkbar gemacht. Gegenüber dem August 2021 stieg der Anteil der Ausländer unter den Arbeitslosen um 31%, der Frauenanteil unter den Arbeits­losen stieg um 13,2%.

Der Bestand an offenen Stellen liegt nach Einschätzung der Arbeitsagentur auf hohem Niveau. Insgesamt waren 1.532 Stellen zu besetzen. Gegenüber dem Vormonat hat aber der Zugang neu zu besetzender Stellen deutlich abgenommen. Der Rückgang kam überwiegend aus den Bereichen Arbeitneh­merüberlassung (auch „Zeitarbeit“) und Handel. Nach Rechtskreisen betrachtet verlief die Entwicklung uneinheitlich. Sowohl im Vormonats- als auch im Vorjahresvergleich sank die Zahl der Arbeitslosen im Bereich der Arbeitslosenversicherung, während sie im System der Grundsiche­rung für Arbeitsu­chende stieg.

Markantes Zeichen des Arbeits­marktes seit dem Frühjahr 2020 ist die starke Inan­spruch­nahme von Kurzarbeit. Die Begünstigten gelten nicht als „arbeitslos“, werden aber finanziell indirekt aus der Kasse der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung unterstützt. Ob aber tatsäch­lich so viele Beschäftigte in Kurzarbeit gehen wie von den Betrieben gemeldet wurden, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Dies hängt mit den Besonder­heiten beim Kurzarbeitergeld zusam­men. Einen ent­spre­chenden Antrag kann ein Arbeit­neh­mer nicht selbst stellen, vielmehr muss der Arbeitgeber bis zum Ende des jeweiligen Kalen­der­mo­nats der Arbeitsagen­tur die Kurzar­beit anzeigen. Dort wird über die Anträge entschieden und die Leistungen werden berechnet. Hierfür notwendige Abrechnungs­listen müssen von den Betrieben innerhalb von drei Monaten nach Beendigung des Monats mit Kurzarbeit einge­reicht werden. Exaktes Zahlen­ma­te­ri­al über den tatsächlichen Umfang der Kurzar­beit liegt somit erst mit fünf­mo­na­tiger Verzögerung vor.

Endgültige Zahlen über die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit gibt es für den Monat Februar 2022. In jenem Monat verzeichneten 109 Betriebe für 1.708 Beschäftigte konjunk­turelle Kurzarbeit. Ein Jahr zuvor waren es 570 Betriebe mit 6.692 Beschäftigten. Im August 2022 gingen bei der Arbeitsagentur weniger als drei neue Anzeigen von Kurzarbeit ein. Wegen der geringen Anzahl kann aus Datenschutz­gründen nicht mitgeteilt werden, wie viele Personen hiervon betroffen sein könnten. (Quelle: Pressemitteilung der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven Nr. 73/2022 vom 31.08.2022).

Günstiger als in Bremerhaven ist die Arbeitsmarktsituation im benachbarten Landkreis Cuxhaven. Dort belief sich im August 2022 die Arbeitslosenquote auf 5,3% (5.563 arbeitslose Personen). (Quelle: Bundesagentur für Arbeit).

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Nicht erst seit der Corona-Pandemie ist die Arbeits­lo­sig­keit in Bremerhaven höher als im entsprechenden Monat des jeweiligen Vorjahres. Während die Quote im Oktober 2019 noch dem Wert von vor zwölf Monaten entsprach, ist sie seit November 2019 bis einschließlich März 2021 höher als ein Jahr zuvor. Im Bundesdurchschnitt entsprach die Arbeitslosenquote von November 2019 bis März 2020 dem Vorjahreswert und erreichte erst im April 2020 einen höheren Wert.

Bemerkenswert ist auch die ungleiche Verteilung der Arbeitslosen zwischen den Systemen nach dem Dritten und dem Zweiten Sozialgesetzbuch. Der Rechtskreis SGB III (Drittes Sozialgesetzbuch) betrifft Arbeitslose, die aufgrund eigener, in der Regel mindestens zwölfmonatiger Beitrags­zeiten einen Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben, dessen Höhe sich nach dem letzten Einkommen richtet bzw. die keinen Anspruch auf finanzielle Leistungen für den Lebensun­ter­halt bei Arbeitslosigkeit haben.
Das Zweite Sozialgesetzbuch (SGB II, Grundsiche­rung für Arbeitsuchende, „Hartz IV“) richtet sich an Arbeitslose, deren Anspruch auf Arbeitslosengeld I erschöpft ist (Langzeit­arbeitslose) oder darauf keinen Anspruch wegen fehlender Beitragszeiten haben und Arbeitslosengeld II (AlgII) beziehen.

Verteilung Arbeitslose nach Rechts­krei­sen SGB II/SGB III
August 2022
SGB III SGB II
Stadt Bremerhaven  1.546 6.857
Anteil der SGB II-Arbeitslosen an Gesamtzahl der Arbeitslosen in Bremerhaven 81,6%
(Quelle: Pressemitteilung der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven Nr. 73/2022 vom 31.08.2022)

Im Bundesdurchschnitt lag der Anteil der Arbeitslosen in der Grundsicherung nach dem SGB II bei knapp 68% (2,547 Millionen Arbeitslose insgesamt, hiervon 1,720 Millionen Arbeitslose im System des SGB II). (Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt - Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbil­dungs­markt, Nürnberg, August 2022 S. 14).

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Durchschnittliche Jahresarbeitslosigkeit 2013 bis 2021

Im Januar des Jahres 2022 präsentierte die Arbeitsagentur die Ergebnisse zur Arbeits­markt­jahresbilanz für das vergangene Jahr. Demnach belief sich 2021 die durchschnitt­liche Arbeits­lo­sen­quote in Bremerhaven auf 13,1% und lag damit um 0,7 Prozentpunkte niedriger als 2020, aber immer höher als 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie. Ab März 2020 dominierte diese den Arbeitsmarkt, doch 2021 konnte sich die Situation - wohl auch dank der fortschrei­ten­den Impfkampagne - verbessern und unter­schritt das Niveau am Beginn der Pandemie. Ganzjährig erheblich betroffen waren aber Hotellerie, Gastronomie, Veranstaltungs- und Kulturbereich. Negativ wirkten sich auch Störungen in den Logistikketten aus. Entlastend hat sich wiederum der Einsatz von Kurzarbeit ausgewirkt, außerdem hätten sich, so die Arbeitsagentur, die Betriebe inzwischen besser auf die Situation mit dem Covid 19-Virus eingestellt.

Nach Rechtskreisen unterteilt verlief die Entwicklung 2021 nicht einheitlich. Während im Bereich der Arbeitslosenversicherung nach dem SGB III mit überwiegend arbeitsmarkt­nä­heren Personen etwa ein Fünftel weniger Kunden von der Arbeitsagentur betreut wurden, verzeichnete das Jobcenter einen Anstieg arbeitsloser Personen im Bereich der staatlichen Grundsicherung nach dem SGB II. Die Zahl langzeitarbeitsloser Personen erhöhte sich um 15,1%, im Vergleich zu 2019 sogar um 32,8%.

Zum Stichtag 30. Juni 2021 waren 59.023 Personen in Bremerhaven sozialversiche­rungs­pflichtig beschäftigt. Das waren 1,3% mehr als im Vorjahr und 1,4% weniger als im Vor-Corona-Jahr 2019. Anders die Entwick­lung bei der Zahl der ausschließlich gering­fü­gig Beschäftigten (Minijobs): Mit 6.222 Personen liegt ihre Zahl um knapp elf Prozent unter dem Niveau von 2019. Im Vergleich zum Vorjahr 2020 waren es 2,2% weniger.

Die Besserung im Vergleich zum ersten Corona-Jahr zeigt sich auch bei der Zahl der offenen Stellen. Diese stieg 2022 um 17% auf 3.603 Stellen in der Jahressumme 2021. Der Bestand der insgesamt zu besetzenden Stellen erreichte mit 1.368 am Jahresende ein Langzeithoch. (Quelle: Pressemitteilung der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven Nr. 6/2022 vom 27.01.2022).

Auf Bundesebene fiel im Jahresdurchschnitt die Arbeits­losen­quote von 2020 zu 2021 um 0,2 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent (Quelle: Pressemitteilung 2/2022 vom 05.01.2021 der Bundesagentur für Arbeit).

Durchschnittliche Jahresarbeitslosigkeit
Jahr Quote Bremerhaven Quote Bund
2013 14,6% 6,9%
2014 14,7% 6,7%
2015 15,1% 6,4%
2016 14,6% 6,1%
2017 13,0% 5,7%
2018 12,6% 5,2%
2019 12,2% 5,0%
2020 13,8% 5,9%
2021 13,1% 5,7%
(Quelle: Pressemitteilungen 2/2014, 2/2015, 2/2016, 5/2017, 2/2018, 2/2019, 2/2020, 2/2021, 6/2022 der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven und Pressemitteilungen 2/2014, 2/2015, 2/2017, 2/2018, 2/2019, 2/2020, 2/2021, 2/2022 der Bundesagentur für Arbeit (Zentrale)).
 
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Das verwendete Zahlenmaterial beruht auf den Pressemitteilungen 31/2021 und 38/2022 der Bundesagentur für Arbeit (Zentrale) sowie  54, 61, 70 und  84/2021 sowie 3, 7, 15, 23, 32, 40, 52, 62 und 73/2022 der Agentur Bremen-Bremerhaven der Bundesagentur für Arbeit. Die Angaben zur Arbeitslosigkeit im Bundesland Bremen beruhen auf Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt - Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbil­dungs­markt, Nürnberg, jeweils für August 2021, Juli 2022 und August 2022.

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt

Zum Ende des Geschäftsjahres der Berufsberatung der Arbeitsagentur am 30. September 2021 waren von den 1.119 in Bremerhaven gemeldeten Ausbildungs­plätzen noch 51 unbesetzt. Insgesamt waren der Arbeitsagentur seit dem 1. Oktober 2020 zwanzig Ausbildungsstellen weniger als im Vorjahreszeitraum gemeldet worden. Dem standen 1.379 an einer Berufsausbildung Interessierte gegenüber, 60 mehr als im vorherigen Vermittlungsjahr. Trotz der etwas höheren Nachfrage waren zum Ende des Geschäftsjahres mit insgesamt 81 Bewer­berinnen und Bewerbern 27 Personen weniger unversorgt als im Vorjahr (ein Rückgang von 25%).

Das Ergebnis der Berufsberatung 2020/2021 wird stark von den Einschränkungen der Corona-Pandemie geprägt. Messen und Börsen, bei denen junge Menschen Informationen zu verschiedenen Berufen erhalten können, waren weggefallen. Unternehmen boten weniger Plätze für orientierende Praktika an. Die Berufsbe­ra­tung durch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Arbeitsagentur konnte in den Schulen erst zum Ende des Geschäftsjahres wieder aufge­nommen werden. Vorher kamen Telefon, Videochat und Mail verstärkt zum Einsatz. Der Anteil der an einer Ausbildung interes­sier­ten Jugendlichen ist größer als im ebenfalls von der Pandemie geprägten Vorjahr, aber auch dem Vorvorjahr 2018/2019.

Im Bereich der Handelskammer wurden in Bremerhaven 578 neue Ausbildungsverträge zwischen Unternehmen und Auszubildenden abgeschlossen, das sind 1,6% mehr als im Vorjahreszeitraum. Positive Entwicklungen gibt es im Handel, aber auch in Gastronomie und Hotellerie sowie in Chemie-Berufen.

Ebenfalls mehr Ausbildungsverträge meldet die Handwerkskammer für Bremerhaven. Zum Stichtag 30. September 2021 gibt es 239 neue Ausbildungsverträge, das sind 37 mehr, entsprechend einem Plus von 18,3%. So begannen in Bremerhaven 27 Personen ihre Ausbildung im Maler- und Lackierer­hand­werk (sieben mehr als im Vorjahr), bei den Kfz-Mechatronikern sind es 42 statt 23. Bezogen auf alle Ausbildungsjahre werden in Bremerhaven 713 Auszubildende im Hand­werk ausgebildet.

Als „versorgt“ gelten nicht nicht nur Ausbil­dungsinteressierte, die eine Ausbildung begonnen haben, sondern auch Personen, die an einer Maßnahme der Agentur für Arbeit teilgenommen haben, sich für einen weiteren Schulbesuch entschieden oder eine andere berufliche Alternative fanden. (Quelle: Pressemitteilung der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven Nr. 74/2021 vom 28.10.2021).

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Letztes Update: 16.09.2022

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