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Einwohnerzahl: Bis 2011 gesunken, 2015 deutlicher Zuwachs

Bevölkerungsentwicklung in Bremerhaven

Nach der Volkszählung 2011 Einwohnerzahl noch einmal um knapp 5.000 niedriger

Näheres:

Entwicklung der Bevölkerungsentwicklung unter Zugrundelegung des Mikrozensus 2011 von 2011 bis 2015

Entwicklung der Bevölkerungsentwicklung ohne Zugrundelegung des Mikrozensus von 2006 bis 2012

Vorausberechnung der Bevölkerungsentwicklung bis 2035

Einwohnerzahl nach kommunaler Fortschreibung

Kurzgefasst:

Bevölkerungsentwicklung Bremerhaven

Die Bevölkerungsentwicklung von Bremerhaven dürfte vielen Einheimischen Sorge bereiten. Die Zeiten, in denen die Hafenstadt an der Wesermündung deutlich mehr als 140.000 Einwohner verzeichnete, sind Geschichte. Bis 2011 ging die Einwohnerzahl zurück, seit 2011 steigt sie wieder. 2015 war sogar ein deutlicher Zuwachs zu verzeichnen. Dieser fiel mit 3,5 Prozent entsprechend 3.904 Personen deutlicher aus als in der Stadt Bremen, wo er 1,0 Prozent betrug. Die Einwohnerzahl in Bremerhaven lag 2015 bei 114.025 (Quelle. Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes vom 26.07.2016).

Streit herrscht zwischen den Kommunalpolitikern und den Statistikbehörden des Bundes und der Länder darüber, welche Zahlen bei der Ermittlung der Einwohnerzahl verwendet werden soll. Die Statistiker greifen hierbei auf das Ergebnis der Volkszählung 2011 (Mikrozensus) zurück. Dies hat zur Folge, dass die für 2011 ermittelte Zahl gegenüber den von der Kommunalverwaltung ermittelten Zahlen um 4.843 Personen nach unten korrigiert werden musste. Die genaue Einwohnerzahl ist aber wichtig für finanzielle Hilfen des Landes an die Stadt, bei weniger Einwohnern gibt es auch weniger Geld.

Ziel des in der gesamten Europäischen Union mit dem Stichtag 9. Mai 2011 durchgeführten Mikrozensus war die Gewinnung einer neuen Einwohnerzahl und umfangreicher Strukturdaten zur Bevölkerung sowie den Gebäude- und Wohnungsbeständen. Dabei musste für für die gesamte Bundesrepublik Deutschland die Einwohnerzahl heruntergeschraubt werden, und zwar um 1,5 Millionen auf 80,2 Millionen. Die aufgrund des Ergebnisses des Mikrozensus vorgenommene Fortschreibung der Bevölkerungszahl ergibt für das Jahresende 2011 im Land Bremen eine Bevölkerung von 652.182 statt der zunächst angenommenen 661.301, das ist eine Abweichung von 1,38%. Dieser Wert liegt unter dem Bundesdurchschnitt von 1,85%. Allerdings beläuft sich in Bremerhaven die Abweichung der neu ermittelten Bevölkerungszahl mit der älteren auf 4,28%. In der Stadtgemeinde Bremen wohnten am 31. Dezember 2011 nach den neuen Angaben des Statistischen Landesamtes 544.043 Menschen (Quelle: Pressemitteilungen des Statistischen Landesamtes vom 16.07.2012).

Seit Jahrzehnten liegt im Land Bremen die Zahl der Sterbefälle über der Zahl der Geburten. Im Jahr 2015 beträgt die durchschnittliche Kinderzahl je Frau im kleinsten Bundesland 1,51 (im Vorjahr 1,46), wobei deutsche Frauen durchschnittlich 1,35 Kinder zur Welt bringen und ausländische Frauen 2,22 Kinder. Geburtenraten in dieser Höhe sind im Bundesland Bremen seit 1970 nicht mehr beobachtet worden. Eine Mutter im Land Bremen ist im Jahr 2015 bei der ersten Entbindung im Durchschnitt 30,6 Jahre alt. Der Rückgang um 0,1 Jahre im Vergleich zum Vorjahr ist ausschließlich auf das niedrigere Alter ausländischer Mütter bei der Erstgeburt des Kindes zurückzuführen (-0,9 Jahre auf 28,8 Jahre). Das Durchschnittsalter deutscher Mütter ist hingegen um 0,2 Jahre auf 31,2 Jahre gestiegen. Allerdings sind Mütter in Bremerhaven bei der Geburt des ersten Kindes mit 28,9 Jahren statistisch betrachtet jünger als in der Stadt Bremen mit 31,0 Jahren.

In Bremerhaven ist der Unterschied zwischen der Zahl der Geburten und der Anzahl der Sterbefälle von 455 weniger Geburten im Jahr 2014 auf 333 in 2015 zurückgegangen, während die Entwicklung in der Stadt entgegengesetzt verlief. Hier belief sich der natürliche Bevölkerungsrückgang auf 969 Personen, während im Vorjahr noch 771 Personen mehr verstarben als neue geboren wurden. (Quelle: Pressemitteilungen des Statistischen Landesamtes vom 26.07.2016).

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Entwicklung der Bevölkerungsentwicklung unter Zugrundelegung des Mikrozensus 2011

Wenn man die Ergebnisse des Mikrozensus 2011 zugrunde legt, fällt einmal der Rückgang der Einwohnerzahl von 113.366 im Jahr 2010 auf 108.139 im Jahr 2011 auf. Doch für die folgenden Jahre gibt es einen Zuwachs: Für 2012 um 184 Personen auf 108.323 und von 2012 auf 2013 um 521 auf 108.844. Im Jahr 2014 wuchs die Einwohnerzahl um 1.277 auf 110.121. Und dann kam das Jahr 2015 mit der beeindruckenden Steigerung um 3.904 Personen. Der Zuwachs basierte bis 2013 ausschließlich darauf, dass mehr Personen aus dem Ausland zugewandert sind als in das Ausland verzogen sind. Sowohl im Vergleich der Fortzüge in das Inland mit den Zuzügen aus dem Inland als auch im Vergleich der Geburten mit den Sterbefällen war die Entwicklung negativ. Im Jahr 2014 ist nicht nur die Zahl der Zuzüge aus dem Ausland deutlich höher als die Zahl der Fortzüge in das Ausland, auch bei der innerdeutschen Bevölkerungswanderung gibt es mit 32 Personen einen kleinen Überschuss. Im Jahr 2015 klettert der innerdeutsche Überschuss bei der Einwohnerentwicklung sogar auf 386. So gab es 1.277 Zuzüge aus dem Umland plus 3.830 Zuzüge aus dem restlichen Deutschland. Dem stehen 1.586 Fortzüge in das Umland und 3.135 in das restliche Deutschland gegenüber. Die Zuzüge nach Bremerhaven aus anderen Teilen Deutschlands sind um 20,4 Prozent gestiegen, während sie in der Stadt Bremen um 7,7 Prozent niedriger sind als im Vorjahr.

Bevölkerungsstand
 am 31.12. des Jahres unter Berücksichtigung
des Mikrozensus 2011

2011
2012
2013
Einwohnerzahl
 insgesamt
108.139
108.323
108.844
Zuzüge
5.968
6.550
7.195
darunter: aus
dem Ausland
1.669
2.215
2.603
Fortzüge
5.826
5.961
6.087
darunter: in
das Ausland
1.211
1.383
1.425
Geburten
938
968
919
Sterbefälle
1.448
1.405
1.531
Bevölkerungsstand
 am 31.12. des Jahres unter Berücksichtigung
des Mikrozensus 2011

2014
2015
Einwohnerzahl
 insgesamt
110.121
114.025
Zuzüge
7.901
10.561
darunter: aus
dem Ausland
3.255
5.454
Fortzüge
6.223
6.340
darunter: in
das Ausland
1.609
1.619
Geburten
1.007
1.162
Sterbefälle
1.462
1.495
(Quelle: Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes Bremen vom 26.07.2016)

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Entwicklung der Bevölkerungsentwicklung ohne Zugrundelegung des Mikrozensus von 2006 bis 2012

Nachfolgend die ohne Berücksichtigung des Mikrozensus ermittelten Einwohnerzahlen von Bremerhaven für die Jahre 2006 bis 2012:

Bevölkerungs-
stand
am
31.12. des Jahres
2006
2007
2008
2009
Einwohnerzahl insgesamt
116.045
115.313
114.506
114.031
Zuzüge
5.028
5.329
5.593
5.824
darunter: aus dem Ausland 1.036
1.241
1.300
1.257
Fortzüge
5.220
5.538
5.881
5.823
darunter: in das Ausland
912
1.057
1.136
1.236
Geburten
1.055
968
968
973
Sterbefälle
1.446
1.502
1.489
1.446
Bevölkerungsstand am
31.12. des Jahres
2010
2011
2012
Einwohnerzahl insgesamt
113.366
112.982
113.137
Zuzüge
5.441
5.968
6.550
darunter: aus dem Ausland 1.257
1.669
2.215
Fortzüge
5.642
5.826
5.961
darunter: in das Ausland
1.196
1.211
1.383
Geburten
935
938
968
Sterbefälle
1.400
1.448
1.405
(Quelle: Pressemitteilungen des Statistischen Landesamtes Bremen vom 16.07.2012, 31.05.2013 und 17.07.2013).

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Vorausberechnung der Bevölkerungsentwicklung bis 2035

Nach einer im Mai 2017 erstellten Vorausberechnung des Statistischen Landesamtes Bremen wird die Bevölkerung im Land Bremen bis 2035, wobei für Bremerhaven mit einem höheren Zuwachs gerechnet wird als für die Stadt Bremen. Die Statistiker prognostizieren einen Anstieg der Einwohnerzahl des kleinsten Bundeslandes um fünf Prozent von 671.489 am Jahresende 2015 auf gut 705.000 im Jahr 2035. Für Bremerhaven geht man von einem Anstieg von sieben Prozent von 114.025 bis auf gut 122.000 Einwohner aus. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Einmal hat sich in den letzten Jahren die Geburtenrate erhöht. Diese betrug im Jahr 2016 in der Stadt Bremen 1,5 und 1,9 in Bremerhaven. Für die Vorausschätzung wurde das Niveau von 2016 fortgeschrieben. Außerdem geht man auch von einer weiter steigenden Lebenserwartung aus, der Zuwachs soll im Landesdurchschnitt bei Männern 3,6 Jahre und 3,3 Jahre bei Frauen liegen (wobei die Lebenserwartung bei Frauen höher ist). Aufgrund der höhereren Geburtenrate geht man von einer kleiner werdenden Differenz zwischen Sterbefällen und Geburten aus, die Anzahl der Sterbefälle wird aber auch weiterhin größer sein als die Zahl der Geburten. Für das gesamte Land Bremen geht das Statistische Landesamt davon aus, dass im Verhältnis zum restlichen Deutschland mehr Menschen aus dem Bundesland fortziehen als zuziehen. Jedoch wird ein positiver Saldo im Verhältnis zum Ausland erwartet. Dabei fällt insbesondere eine höhere Flüchtlingszuwanderung bis 2022 auf. Durch die starke Zuwanderung aus dem Ausland fällt auch der gesamte Wanderungssaldo positiv aus, es wird insgesamt mehr Zuzüge als Wegzüge geben. Dieser Überschuss wird nach der Berechnung der Statistiker das negative natürliche Bevölkerungswachstum mehr als ausgleichen und die Ursache für das erwartete Bevölkerungswachstum sein.

Eine höhere Geburtenrate und Zuwanderung werden die Alterung der Bevölkerung abbremsen. Bis 2021 geht das Durchschnittsalter zurück, mit Abebben der starken Zuwanderung wird es wieder ansteigen. Sowohl die Zahl der Kinder als auch die der Älteren ab 65 Jahren werden zunehmen, hingegen wird die Bevölkerungsgruppe im erwerbsfähigen Alter kleiner werden. (Quelle: Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes Bremen vom 02.05.2017).

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Einwohnerzahl nach kommunaler Fortschreibung

Die nach kommunaler Fortschreibung ohne Berücksichtigung des Mikrozensus 2011 ermittelte Einwohnerzahl für den 31.12.2015 gibt der Magistrat Bremerhaven mit 119.709 an (Quelle: Seestadt Bremerhaven, Bericht über die Verwaltung und den Stand der Stadtangelegenheiten 2016 Seite 11). Hiervon waren 19.571 Ausländerinnen und Ausländer. Mit 3.135 Personen sind nach wie vor Staatsangehörige der Türkei die größte Gruppe unter der nichtdeutschen Bevölkerung. Auffallend ist, dass inzwischen bulgarische Staatsangehörige die zweitgrößte Gruppe bilden mit 2.758 Personen. Aus Polen kommen 1.953 Personen, die Gruppe der Syrerinnen und Syrer zählt 1.634 Personen. Weitere Nationalitäten: Portugal 1.442, Griechenland 1.390, Rumänien 627 (a.a.O. Seite 17).

Für den 31. März 2017 geht man von 119.444 aus, hiervon 20.329 Ausländerinnen und Ausländer (entsprechend 17,02 Prozent, vorläufige Ergebnisse, Quelle: Seestadt Bremerhaven, Statistischer Kurzbericht Mai 2017 S. 2 und 3). Der Sterbeüberschuss belief sich im Mai 2017 auf 52 Person, im Vorjahresmonat waren es noch 67 Personen. Im gleichen Monat belief sich der Wanderungsgewinn auf 68 Personen, im Vorjahresmonat waren es 7 (Quelle: Seestadt Bremerhaven, Statistischer Kurzbericht Mai 2017 S. 4).

Ist der Zensus 2011 verfassungskonform?

Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg haben wegen des Zensus 2011 ein abstraktes Normenkontrollverfahren beim Bundesverfassungsgericht beantragt, um die Vereinbarkeit des Zensusgesetzes 2011 und weiterer verwandter Rechtsvorschriften mit dem Grundgesetz prüfen zu lassen. Aufgrund des Zensus wurden unter anderem die Einwohnerzahlen der Gemeinden neu festgesetzt. So wurden die Einwohnerzahl von Berlin um ca. 180.000 und die von Hamburg um ca. 82.800 Personen herabgesetzt.

Der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts wird über die Anträge der beiden Bundesländer am 24. Oktober 2017 mündlich verhandeln (Quelle: Pressemitteilung des Gerichts vom 22.08.2017).

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Letztes Update: 23.08.2017

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