Etwa 7 Millionen Minijobber in Deutschland

Besonderheiten bei geringfügiger Beschäftigung (Minijobs)

Ab 2013 Grenze bei 450 Euro - Einbeziehung in die Rentenversicherung, aber Befreiung möglich

Näheres:

Übersicht: Minijobs kurzgefasst

Sozialversicherungsbeiträge bei Minijob

Optionsmöglichkeit für vor 2013 begonnene Minijobs: Aufstockung der Beiträge zur Rentenversicherung

Minijobs in Privathaushalten

Kurzfristige Beschäftigung und Saisonbeschäftigung

Besteuerung von Minijobs

Weitere Abgaben des Arbeitgebers bei Minijobs

Studium und Arbeiten

Soziale Hintergründe bei Minijobs

Verdrängung sozialversicherungs-
pflichtiger Beschäftigung durch Minijobs


Minijobs - so bezeichnet man Beschäftigungsverhältnisse, bei denen das Arbeitseinkommen ab Januar 2013 den Betrag von 450 Euro nicht übersteigt. Vor diesem Datum, genauer gesagt seit dem 1. April 2003, lag die Höchstgrenze bei 400 Euro. Bei geringfügiger Beschäftigung - so die offizielle Bezeichnung - gibt es Besonderheiten hinsichtlich der Sozialabgaben und der Besteuerung dieser Einkünfte. Ist das Einkommen nicht höher als 450 Euro, hat der Arbeitnehmer mit Ausnahme eines kleinen Eigenbetrags zur Rentenversicherung keine Sozialversicherungsbeiträge zu entrichten, sondern nur der Arbeitgeber, und zwar seit dem 1. Juli 2006 28 Prozent und gegebenenfalls eine Pauschalsteuer von zwei Prozent (Änderung durch das Haushaltsbegleitgesetz 2006, vorher betrugen die Sozialabgaben 23 Prozent). Eine geringfügige Beschäftigung liegt nicht mehr vor, wenn im Monatsdurchschnitt mehr als 450 Euro Lohn gezahlt werden, bei einem Verdienst ab 450,01 bis 850 Euro gelten dann die Sonderregelungen der Gleitzone.

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Was ist eine geringfügige Beschäftigung?

Eine mit höchstens 450 € monatlich entlohnte Tätigkeit (geringfügig entlohnte Beschäftigung) bzw. eine Beschäftigung bis zu höchstens drei Monaten oder 70 Tagen im Kalenderjahr (kurzfristige Beschäftigung oder Saisonbeschäftigung, § 8 Absatz 1 Viertes Sozialgesetzbuch [SGB IV]. Die Obergrenze für die kurzfristige Beschäftigung ist befristet von 2015 bis 2018. sonst waren es zwei Monate bzw. 50 Tage). Die wöchentliche Arbeitszeit ist für die Einstufung als „geringfügig“ unerheblich. Abzustellen ist auf das durch die jeweilige Beschäftigung im Jahr erzielte Einkommen, so dass etwa zusätzliche Zahlungen wie ein Weihnachtsgeld zum Überschreiten der 450-Euro-Grenze führen können.

Übt jemand mehrere geringfügige Beschäftigungen aus, werden diese zusammengezählt und bei Überschreiten der 450 €-Grenze tritt die zwingende Versicherungspflicht in der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung ein. Eine andere geringfügige Beschäftigung muss der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber mitteilen.

Wenn man bereits eine versicherungspflichtige Tätigkeit ausübt, darf daneben eine geringfügige Beschäftigung zusätzlich ausgeübt werden. Bei zwei Minijobs, die neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ausgeübt werden, wird der zweite Nebenjob – nicht der erste - mit der Hauptbeschäftigung zusammengezählt und das so ermittelte Einkommen mit den Sozialversicherungsbeiträgen belastet, wobei es bei einem Einkommen zwischen 450 und 850 Euro wie bereits erwähnt Sonderregeln gibt (§ 8 Absatz 2 SGB IV).

Jede geringfügige Beschäftigung ist vom Arbeitgeber der Einzugsstelle der Sozialversicherung zu melden (§§ 28 a Absatz 9, 28 i SGB IV), zuständig ist bei geringfügigen Beschäftigungen die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (Minijob-Zentrale). Außerdem genießt eine solche Arbeitskraft den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Die entsprechenden Beiträge des Arbeitgebers fließen an den zuständigen Versicherungsträger (Berufsgenossenschaft).

Von einer geringfügigen Beschäftigung kann man nicht mehr sprechen, wenn das regelmäßige monatliche Entgelt aufgrund von Gratifikationen (Weihnachts- oder Urlaubsgeld) oder von schwankenden Löhnen (Saisonbeschäftigung) den Betrag von 450 € übersteigt (Beispiel: Jemand verdient monatlich regelmäßig 450 €, außerdem erhält er ein Weihnachtsgeld, so dass die durchschnittliche monatliche Vergütung höher als 450 € liegt; bei schwankenden Löhnen werden diese addiert und durch zwölf geteilt und so das monatliche Durchschnittseinkommen ermittelt).

Minijobs
 Kurzgefasst
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Welche Sozialversicherungsbeiträge sind bei geringfügig entlohnter Beschäftigung zu zahlen und durch wen?

Krankenversicherung: Der Arbeitgeber zahlt einen Beitrag von 13 Prozent des Entgelts (§ 249 b Fünftes Sozialgesetzbuch [SGB V]). Ist der Arbeitnehmer gar nicht gesetzlich krankenversichert, auch nicht im Wege der Familienversicherung, entfällt die Beitragspflicht; es wird keine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung durch die Aufnahme eines Minijobs begründet. Wenn Beiträge zu zahlen sind, entstehen keine zusätzlichen Ansprüche der Versicherten. Wenn keine eigene Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung oder Versicherungsschutz als Familienangehöriger besteht, sollte man prüfen, ob ein Anspruch auf Grundsicherung für Arbeitsuchende besteht, da diese Leistung auch die Krankenversicherung umfasst.

Rentenversicherung: Mit der Neuregelung von 2013 sind Minijobs, die ab dem 1. Januar 2013 neu begonnen haben oder die vorher begonnen haben und bei denen das Arbeitsentgelt von maximal 400 Euro auf maximal 450 Euro erhöht worden ist, automatisch versicherungspflichtig in der Rentenversicherung. Der Arbeitnehmer erwirbt dann die üblichen Rechte als Beitragszahler, insbesondere werden diese Beitragszeiten bei der Berechnung der Rente voll berücksichtigt. Es besteht aber die Möglichkeit, auf die Versicherungspflicht als Minijobber in der Rentenversicherung zu verzichten, so dass wie vor 2013 Versicherungsfreiheit besteht.

Der Arbeitgeber zahlt sowohl im Fall der Versicherungspflicht als auch im Fall der Befreiung von der Versicherungspflicht einen Beitrag von 15 Prozent des Entgelts an die gesetzliche Rentenversicherung (§§ 168 Absatz 1 Nr. 1 b, 172 Absatz 3 Sechstes Sozialgesetzbuch [SGB VI]). Wenn keine Versicherungspflicht besteht, wirken sich diese Beitragszahlungen etwas rentensteigernd aus durch einen Zuschlag an Entgeltpunkten, aus dem wiederum in geringem Umfang Wartezeiten gebildet werden, die notwendig sind (60 Monate) für den Bezug einer Regelaltersrente (§§ 76 b, 52 Absatz 2 SGB VI). Die so entstandenen Rentenansprüche sind aber geringer als wenn das Einkommen bei Versicherungspflicht mit den üblichen Sozialabgaben belastet wird.

Im Fall der Versicherungspflicht als Minijobber in der Rentenversicherung muss der versicherte Arbeitnehmer den Differenzbetrag von 3,7 Prozentpunkten zwischen dem Pauschalbeitrag des Arbeitgebers von 15% und dem allgemeinen Beitragssatz in der Rentenversicherung von 18,7% (ab 1. Januar 2015) aus seinem Lohn selbst tragen. Der Arbeitnehmeranteil ist in diesem Fall aber deutlich niedriger als bei einer regulären Beschäftigung, da der Beitragssatz dann paritätisch, also zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen würde (bei einem Beitragssatz von 18,7% wären dies 9,85%).

Wünscht der Minijobber keine Versicherungspflicht in der Rentenversicherung, muss er dies dem Arbeitgeber ausdrücklich schriftlich mitteilen (§ 6 Absatz 1 b SGB VI). Der Eigenanteil zur Rentenversicherung entfällt dann.

Versicherungsfrei in der Rentenversicherung sind geringfügig Beschäftigte, die bereits eine volle Altersrente oder eine beamtenrechtliche Versorgung wegen Erreichens eines bestimmten Alters beziehen.

Bestand die geringfügige Beschäftigung bereits vor dem 1. Januar 2013, besteht keine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung. Jedoch hatten und haben derartige Arbeitnehmer die Möglichkeit, den Beitrag zur Rentenversicherung selbst durch eine eigene zusätzliche Beitragsleistung bis zur Höhe des Pflichtbeitrages von 18,9 Prozent (ab Januar 2013) zu ergänzen, um damit in den Genuss aller Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung wie Anspruch auf Rehabilitation, Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, vorgezogene Altersrenten, Rentenberechnung nach Mindesteinkommen, Anspruch auf Förderung nach der Riester-Rente zu kommen (§§ 5 Absatz 2 Satz 2, 168 Absatz 1 Nummer 1 b SGB VI). Die Erklärung, auf die Versicherungsfreiheit zu verzichten und den Lohn mit den üblichen Beiträgen zu belasten, muss gegenüber dem Arbeitgeber schriftlich erklärt werden und ist unwiderruflich und gilt für alle geringfügigen Beschäftigungen bis zu deren Beendigung. Der Arbeitgeber muss die Beschäftigten über diese Aufstockungsoption unterrichten.

Beträgt das Arbeitseinkommen mehr als 175 Euro (vor dem 1. Januar 2013: 155 €), zahlt der Arbeitnehmer die Differenz zwischen dem Beitrag des Arbeitgebers von 15 Prozent und dem üblichen Beitragssatz von 18,7 Prozent, also 3,7 Prozent.

Liegt das Arbeitseinkommen unter 175 Euro (vor 2013: 155 Euro), gilt für die Berechnung des Arbeitnehmeranteils eine fiktive Rechengröße, nämlich 175 €, wovon 18,7 Prozent abzüglich des Arbeitgeberpauschbetrages zu entrichten sind, also bei einem Einkommen von 100 € genau 18,08 € (100 € * 15 Prozent = 15 € Arbeitgeberanteil, 175 € * 18,7 Prozent = 32,73 €, Arbeitnehmeranteil: 32,73 € - 15 € = 17,73 €; Rechtsgrundlage: § 163 Absatz 8 SGB VI).

Geringfügige Beschäftigung in Privathaushalten

Bei einer geringfügigen Beschäftigung in Privathaushalten gelten Besonderheiten bei der Beitragshöhe zur Sozialversicherung. Eine Beschäftigung in einem Privathaushalt liegt vor, wenn diese durch einen privaten Haushalt begründet ist und die Tätigkeit sonst gewöhnlich durch Mitglieder des privaten Haushalts erledigt wird (§ 8 a SGB IV, z.B. Putz- oder Pflegetätigkeiten). Die Höchstgrenze von 450 Euro ist aber auch hier anwendbar. Der Beitrag zur Krankenversicherung beträgt 5 Prozent und der zur Rentenversicherung ebenfalls 5 Prozent (§§ 249 b Satz 2 SGB V, 168 Absatz 1 Nummer 1 c SGB VI). Auch hier gelten die ab 2013 geänderten Regeln zur Versicherungspflicht in der Rentenversicherung (siehe oben), insbesondere gibt es für bereits vor 2013 bestehende Beschäftigungen die Aufstockungsmöglichkeit (s.o.) mit der 175-Euro-Regelung (Der Eigenanteil des Arbeitnehmers beträgt hier 13,7%, da Beitrag des Arbeitgebers 5%). Eine geringfügige Beschäftigung im Privathaushalt ist der Bundesknappschaft zu melden und zwar im Wege des Haushaltsscheckverfahrens (näheres: http://www.haushaltsscheck.de; siehe § 28 a Absatz 7 bis 8 SGB IV). Die Behörde berechnet den Gesamtsozialversicherungsbeitrag und zieht diesen zweimal im Jahr ein (31.01. und 31.07.; § 23 Absatz 2 a SGB IV, Änderung ab 2015, vorher jeweils 15.01. und 15.07.). Die Anmeldung per Haushaltsscheck gilt auch für die Unfallversicherung. Der Beitrag hierfür beträgt ab 1. Januar 2006 1,6 Prozent des Arbeitsentgelts (§ 185 Absatz 4 Siebtes Sozialgesetzbuch [SGB VII]), er wird ab diesem Zeitpunkt wie die anderen Beiträge im Haushaltsscheckverfahren von der Minijob-Zentrale eingezogen.

Bei der Steuer spart der Arbeitgeber eines haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnisses Einkommensteuer in Höhe von 20 Prozent der Aufwendungen für die Beschäftigung der geringfügigen Arbeitskraft, maximal 510 € (§ 35 a Absatz 1 Einkommensteuergesetz [EStG]).

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Kurzfristige Beschäftigung oder Saisonbeschäftigung

Bei einer kurzfristigen Beschäftigung oder Saisonbeschäftigung (s.o.) fallen keine Sozialversicherungsbeiträge an. Eine kurzfristige Beschäftigung muss nach ihrer Eigenart begrenzt sein oder im voraus vertraglich begrenzt sein, eine berufsmäßige Beschäftigung von einem monatlichen Entgelt von mehr als 450 Euro steht dem entgegen. Von einer „berufsmäßigen“ Beschäftigung spricht man, wenn der Arbeitnehmer das Arbeitsentgelt zur Sicherung seines Lebensunterhalts benötigt. Es sind alle kurzzeitigen Beschäftigungen im Kalenderjahr zusammenzurechnen. Übersteigen diese aber den Schwellenwert von drei Monaten oder 70 Tagen, liegt eine geringfügige Beschäftigung vor mit der Pflicht des Arbeitgebers, Pauschalbeträge abzuführen. Bei Übersteigen der 450-Euro-Grenze beginnt dann die zwingende Sozialversicherungspflicht, zunächst mit Sonderregeln in der Gleitzone bis 850 €. Wird eine zunächst als kurzzeitig vereinbarte Tätigkeit verlängert, sind vom Tage des Überschreitens die Regeln über die geringfügige Beschäftigung anwendbar bzw. die üblichen Vorschriften (§ 8 SGB IV). Übrigens: eine kurzzeitige Beschäftigung und eine geringfügige Beschäftigung werden nicht zusammengezählt (§ 8 Absatz 2 Satz 1 SGB IV), gleiches gilt für eine versicherungspflichtige Tätigkeit und eine kurzzeitige Tätigkeit.

Das Einkommen aus einer kurzfristigen Beschäftigung ist grundsätzlich zu besteuern (siehe nachfolgend), außerdem fallen die Umlagen U1 bis U3 an sowie Beiträge zur Unfallversicherung.

Die erhöhte Obergrenze für kurzfristige Beschäftigungen wurde zeitgleich mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns eingeführt und ist zunächst befristet auf den Zeitraum 2015 bis Ende 2018 (§ 115 SGB IV).

Muss man das Einkommen aus einer geringfügigen Beschäftigung versteuern?

Grundsätzlich ja. Es sei denn, man hat insgesamt ein solch geringes Einkommen, so dass man unter dem Betrag liegt, ab dem Einkommensteuer zu entrichten ist. Einkünfte muss man ab dem Jahr 2014 erst versteuern, wenn sie höher als 8.354 Euro sind (2010-2012: 8.004 €, 2013: 8.130 €). Es werden bei der Einkommensteuer alle Einkünfte aus abhängiger und selbstständiger Tätigkeit sowie aus Vermietung und Verpachtung sowie Kapitalerträge berücksichtigt. Der Arbeitgeber kann bei einer geringfügigen Beschäftigung die Lohnsteuer entweder pauschalieren oder allgemein gemäß den Eintragungen auf der Lohnsteuerkarte entrichten.

Im Fall einer Pauschalierung kann der Arbeitgeber entweder a) auf die Vorlage einer Lohnsteuerkarte verzichten und vom Arbeitsentgelt 2 Prozent als Pauschbetrag für Lohn-und Kirchensteuer sowie Solidaritätszuschlag abziehen, wenn der Arbeitgeber Beiträge zur Rentenversicherung in Höhe von 15 oder 5 Prozent abführt bzw. nach den allgemeinen Vorschriften bei Wahl der Aufstockungsmöglichkeit (§ 40 a Absatz 2 EStG) oder b), wenn vom Arbeitgeber keine Beiträge an die Rentenversicherung abgeführt werden, ebenfalls auf die Vorlage einer Lohnsteuerkarte verzichten und die pauschale Lohnsteuer von 20 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer abführen (§ 40 a Absatz 2 a EStG). Bei a) ist die Steuer an die Bundesknappschaft abzuführen, bei b) an das Betriebsstättenfinanzamt.

Wenn das Einkommen aus einer geringfügigen Beschäftigung pauschal besteuert wurde, sind der so besteuerte Arbeitslohn und die pauschale Lohnsteuer bei der Veranlagung zur Einkommensteuer nicht zu berücksichtigen; die pauschale Lohnsteuer ist weder auf die Einkommensteuer noch auf die Jahreslohnsteuer anzurechnen (§ 40 Absatz 3 Satz 3 EStG i.V.m. § 40 a Absatz 5 EStG).

Bei einer Besteuerung nach der sonst üblichen Methode gemäß den Einträgen auf der Lohnsteuerkarte ergibt sich die Höhe der Lohnsteuer nach dem Arbeitsentgelt und der Lohnsteuerklasse. Bei einem Lohn von 450 € ist nur in den Lohnsteuerklassen V oder VI Lohnsteuer zu zahlen. Übt man bereits eine Hauptbeschäftigung oder eine geringfügige Beschäftigung aus, kann man für die zweite geringfügige Beschäftigung eine zweite Lohnsteuerkarte mit der Lohnsteuerklasse VI erhalten. Um nicht übermäßig belastet zu werden, kann auf dieser zweiten Lohnsteuerkarte ein Freibetrag eingetragen werden (§ 39 a Absatz 1 Nummer 7 EStG).

Wer im Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer die pauschalierte Lohnsteuer zu tragen hat, richtet sich nach dem Arbeitsvertrag, so dass eine Abwälzung auf den Arbeitnehmer möglich ist (bei einer Bruttolohnvereinbarung Abwälzung auf Arbeitnehmer, Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 01.02.2006 zu Az. 5 AZR 628/04).

Auf der Seite http://www.parmentier.de/steuer/index.htm findet man verschiedene Computerprogramme zur Berechnung der Lohnsteuer und der Sozialversicherungsbeiträge, auch unter Berücksichtigung der Regelungen für geringfügige Beschäftigungen und für die Gleitzone.

Grundsicherung für Arbeitsuchende und Minijobs: Bei einem Bezieher von Arbeitslosengeld II wird das Einkommen aus einer geringfügigen Beschäftigung nicht voll angerechnet, sondern es gibt einen Freibetrag bei Erwerbstätigkeit nach § 11 b Absatz 3 SGB II (vgl. Wie berechnet sich das Arbeitslosengeld II?).

Minijobs und Arbeitsrecht: Als Beschäftigter in einer geringfügigen Beschäftigung hat man die gleichen Rechte und Pflichten wie ein regulär beschäftigter Arbeitnehmer. Näheres hier.

Verstoß gegen Mitteilungspflichten: Wenn ein Arbeitgeber eine geringfügige Beschäftigung nicht ordnungsgemäß der Einzugsstelle meldet, begeht er unter Umständen eine Straftat (§ 266 a StGB). Im Fall einer nicht ordnungsgemäß mitgeteilten geringfügigen Beschäftigung in einem Privathaushalt liegt aber nur eine Ordnungswidrigkeit vor (§ 111 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 a, Satz 2 SGB IV, § 209 Absatz 1 Satz 1 Nummer 5, Satz 2 SGB VII).

Studium und Arbeiten: Als Student ist man hinsichtlich des Einkommens aus Erwerbstätigkeit versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, wenn das Studium im Vordergrund steht. Dies ist in der Regel anzunehmen bei einer Beschäftigung von bis zu 20 Stunden wöchentlich während der Vorlesungszeit bzw. ohne Beschränkung in der vorlesungsfreien Zeit (§ 27 Absatz 4 Nummer 2 SGB III, § 6 Absatz 1 Nummer 3 SGB V, § 20 SGB XI), und zwar bis zum 25. Fachsemester (laut Rundschreiben der Spitzenverbände der Sozialversicherungsträger). Bei einer geringfügigen Beschäftigung gelten die oben genannten Grundsätze. Eine Ausnahme besteht in der Rentenversicherung: Bei einem Einkommen über 450 € besteht Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung, bei einem Einkommen bis 450 Euro  gelten die Regeln für Minijobs, es sei denn, es handelt sich um ein nicht vorgeschriebenes Praktikum oder ein Praktikum ohne Vergütung (§ 172 Absatz 3 SGB VI). Studenten, die familienversichert sind, behalten diesen Schutz, wenn sie nicht höhere Einkünfte haben, die regelmäßig ein Siebtel der monatlichen Bezugsgröße nach § 18 SGB IV überschreiten (Bezugsgröße 2015: 2.835 EUR, hiervon ein Siebtel: 405 EUR).

Bei einem verpflichtenden Praktikum vor oder nach dem Studium und einer Vergütung bis zu 325 EUR trägt der Arbeitgeber den Gesamtsozialversicherungsbeitrag allein (die Regeln für Minijobs gelten für diese Praktika nicht, da der Versicherte zur Berufsausbildung beschäftigt ist, § 20 Absatz 3 Satz 1 Nummer 1 SGB IV), bei einem Einkommen darüber teilen sich Praktikant und Arbeitgeber hälftig die Beiträge (die Gleitzonenregelung gilt hier nicht). Bei einem Praktikum ohne Vergütung ist zu prüfen, ob Krankenversicherungsschutz über die Familienversicherung besteht.

Weitere Abgaben des Arbeitgebers bei geringfügiger Beschäftigung

Neben den Abgaben zur Renten- und Krankenversicherung kommen auf den Arbeitgeber noch weitere Belastungen hinzu. Dies sind

a) die Umlage U1 nach dem Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG),
b) die Umlage U2 nach dem AAG,
c) die Umlage U3 nach den §§ 358-362 des Dritten Sozialgesetzbuchs (SGB III),
d) Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung.

Die Umlage U1 dient der Finanzierung der Aufwendungen kleiner Betriebe für die Lohnfortzahlungen an erkrankte Arbeitnehmer. Betroffen sind Betriebe mit nicht mehr als 30 Beschäftigten (ohne Auszubildende). Wenn Arbeitgeber den Lohn bei einer Erkrankung bis zu sechs Wochen nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz weiter zahlen müssen, erstatten die Krankenkassen die Aufwendungen des Arbeitgebers zu 80%. Die Krankenkassen können in ihren Satzungen einen niedrigeren Betrag vorsehen.

Für den hundertprozentigen Ausgleich der Aufwendungen von Arbeitgebern nach dem Mutterschutzgesetz gibt es die Umlage U2. Die Umlage U3 ist zur Finanzierung des Insolvenzgeldes bestimmt (nicht anwendbar bei Privathaushalten als Arbeitgeber, § 358 Absatz 1 Satz 2 SGB III) und ist seit 2009 an die Einzugsstelle, also die Minijob-Zentrale, abzuführen. Im Haushaltsscheckverfahren berechnet die Minijob-Zentrale die Umlagen nach dem AAG und zieht diese im Wege des Lastschriftverfahrens ein (§ 28 h Absatz 3 SGB IV). Im Jahr 2017 beträgt die Insolvenzgeldumlage U3 0,09% (§ 1 Insolvenzgeldumlagesatzverordnung 2017). Für die Umlagen nach dem AAG bei der Beschäftigung von Minijobbern ist die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See zuständig (§ 2 Absatz 1 Satz 2 AAG). Bei Minijobbern beträgt im Jahr 2017 die Umlage U1 0,9% und die Umlage U2 0,3% des Bruttoarbeitsentgelts (siehe Minijob-Zentrale).

Der Beitrag zur Unfallversicherung ist im gewerblichen Bereich von der jeweiligen Betriebsart abhängig und ist an den Träger der Unfallversicherung (das ist in der Regel eine Berufsgenossenschaft) abzuführen, bei in Privathaushalten Beschäftigten wird der Beitrag von 1,6% mittels Haushaltsscheckverfahren an die Minijob-Zentrale abgeführt.

Statistisches

Zum Ende des vierten Quartals 2016 gab es in Deutschland laut Mitteilung der Minijob-Zentrale rund 6,70 Millionen geringfügig entlohnt Beschäftigte im gewerblichen Bereich (genau: 6.674.812) und rund 303.000 in Privathaushalten geringfügig entlohnt Beschäftigte (genau: 303.022), insgesamt also knapp sieben Millionen Minijobber. Bei den Minijobbern in Privathaushalten entspricht dies einer Steigerung von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Anzahl der gewerblichen Minijobber ist im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozent gesunken. Der Anteil von Frauen im Bereich der gewerblichen Minijobber liegt bei 60 Prozent und bei den geringfügigen Beschäftigungen in Privathaushalten bei 90,7 Prozent.

Im gewerblichen Bereich bestehen 39% der geringfügigen Beschäftigungen seit längstens einem Jahr, 19% zwischen einem und längstens zwei Jahren und 13% seit zwischen zwei und längstens drei Jahren. Etwa 71% der geringfügig Beschäftigten üben die Tätigkeit seit längstens drei Jahren aus.

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist Baden-Württemberg das Land mit den meisten Minijobbern im gewerblichen Bereich (95,97 je 1.000 Einwohner), gefolgt von Bremen (94,41) und Bayern (91,91). In Sachsen-Anhalt ist der Anteil am geringsten (41,85 je 1.000 Einwohner).

Im vierten Quartal 2016 hat die Minijob-Zentrale rund 1,9 Milliarden Euro an von den Arbeitgebern zu entrichtenden Pauschalbeiträgen und Steuern eingezogen. Hiervon entfallen 1,008 Milliarden Euro auf die gesetzliche Rentenversicherung, 793 Millionen Euro auf die gesetzliche Krankenversicherung und 117,9 Millionen Euro auf Pauschsteuern und 7,8 Millionen Euro auf die Insolvenzgeldumlage.

Der Anteil der Minijobber, der eigene Beiträge zur Rentenversicherung zahlt, liegt am 31. Dezember 2016 bei 18,2% im gewerblichen Bereich und bei 14,3% bei den geringfügig Beschäftigten in Privathaushalten. Ende Dezember 2015 waren es 17,8% und 14,2%. Seit 2013 sind Minijobber grundsätzlich rentenversicherungspflichtig, es besteht aber die Möglichkeit, sich hiervon befreien zu lassen (siehe oben).

Im Durchschnitt verdiente im Jahr 2015 ein Minijobber nicht 450 €, sondern im gewerblichen Bereich 300,40 € (in Privathaushalten waren es 182,31 €). (Quelle: Pressemitteilung der Minijob-Zentrale vom 16.03.2017 und deren Bericht für das vierte Quartal 2016).

Verdrängen Minijobs sozialversicherungspflichtige Beschäftigung?

Hinweise für eine Verdrängung sozialversicherungspflichtige Beschäftigung durch den Einsatz von Minijobbern gibt es vor allem im Einzelhandel, im Gastgewerbe sowie im Gesundheits- und Sozialwesen, so das Ergebnis einer im Dezember 2012 vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vorgestellten Studie. Minijobs sind besonders im Dienstleistungsbereich anzutreffen. Lange Öffnungszeiten, Kundenorientierung und teilweise stark schwankende Nachfrage spielen hierbei eine Rolle. Mit dem Einsatz von Minijobbern könne flexibel auf Kundenwünsche und -ströme reagiert werden. Besonders starke Zeichen für eine Verdrängungsfunktion gebe es in Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten. Allerdings hätte dort nicht in jedem Fall eine zusätzliche sozialversicherungspflichtige Beschäftigung geschaffen werden können, etwa weil die Arbeitnehmer Minijobs bevorzugen oder das Arbeitsvolumen zu klein ist. (Quelle: Presseinformation des IAB vom 10.12.2012).

Nach Angaben der Minijob-Zentrale ist die Zahl der Minijobber von Dezember 2004 bis Dezember 2016 um 0,5% gestiegen, während die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 20,3% zugenommen hat (von 26,38 Millionen auf 31,73 Millionen). Der leichte Zuwachs bei den Minijobbern basiert ausschließlich auf einem Zuwachs der geringfügigen Beschäftigungen in Privathaushalten (plus 194,5 Prozent). Bei den Minijobs im gewerblichen Bereich ist im gleichen Zeitraum ein Rückgang von 2,4% zu beobachten. Die Steigerung bei haushaltsnahen Beschäftigungen ist erwünscht, weil in Privathaushalten eine hohe Anzahl nicht gemeldeter Beschäftigungen vermutet wird. (Quelle: Bericht der Minijob-Zentrale für das vierte Quartal 2016 S. 8).

Letztes Update: 30.03.2017

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